Geschichte des Internets

und dessen Integrierung in die Unternehmung

André Liechti und Fabien Paratte*

Zusammenfassung 

Die Geschichte des Internets hat vor kaum 50 Jahren begonnen und in einem Jahrzehnt die gesamte Kommunikation des globalen Dorfes revolutioniert. Das Potenzial dieses neuen Mediums wird in den KMU bzw. in den kleinen und mittleren Treuhandfirmen immer noch ungenügend genützt. Hier eine kleine Bestandesaufnahme und einige Verbesserungsvorschläge.

 

1. Wie ist man zum heutigen Internet gekommen?

Seit Mitte der 50er-Jahre treibt der Kalte Krieg die US-Administration des damaligen Präsidenten Eisenhower dazu, massiv in die Suche nach neuen Möglichkeiten des Informationsaustausches zu investieren, für den Fall einer Vernichtung der lebensnotwendigen Zentren durch den Feind. Diese Investitionen werden im Verteidigungsdepartement durch die Advanced Research Projects Agency (ARPA) verwaltet und betreffen eine aufgeteilte Übermittlung der Daten mittels eines Netzes von unter sich verbundenen Maschinen.

Seit Anfang der 60er-Jahre vereinigt die ARPA die EDV-Mittel der verschiedenen Labors, die in diesem Gebiet tätig sind, denn man will Doppelspurigkeiten zwischen den Institutionen und die damit verbundenen Zeitverluste vermeiden. Folglich erfolgt zwischen 1967 und 1969 die Inbetriebnahme des ARPAnets, die erste «Fassung» des heutigen Internets. Das ARPAnet erzielt bei den Universitäten einen sofortigen Erfolg. Es wird schnell von seinem militärischen Zweck abgewendet, ohne dass dieser Aspekt jedoch fallengelassen wird. Zwischen 1969 und 1971 bilden vier Universitäten die vier ersten Anschlusspunkte zum ARPAnet: UCLA University of California, Los Angeles (CA), Stanford Research Institute, Stanford (CA), UCSB University of California, Santa Barbara (CA) und die University of Utah, Salt Lake City (UT). Wegen der Verwicklung der Vereinigten Staaten in den Vietnam-Krieg besteht die Regierung jedoch auf der erneuten Militarisierung des ARPAnets und wünscht die Schaffung von gesonderten Netzen für zivile Anwendungen. 1973 erfolgen internationale Anschlüsse zum ARPAnet aus Grossbritannien und Norwegen. Mitten in den Achtzigerjahren wird das ARPAnet endgültig in zwei Teile getrennt: Der eine mit einem rein militärischen Zweck (Milnet) und der andere für weniger kriegerische Ziele: NSFnet – die NSF (National Science Foundation) ist eine amerikanische Regierungsagentur, welche Forschungsarbeiten finanziert. 1986 verbindet das NSFnet fünf Rechenzentren via spezielle Telefonleitungen und erlaubt es regionalen Netzen, sich an diese «Wirbelsäule» anzuschliessen. 1990 wird das alte ARPAnet in den Ruhestand gesetzt; bleibt also die Infrastruktur des NSFnets, das sich in der Zwischenzeit stark entwickelt hat.

 

1992 erfolgt eine kleine Revolution, als der CERN in Genf das World Wide Web ins Leben ruft. Das heutzutage überall bekannte WWW ist seither zum ersten Informationsträger auf dem Internet geworden. Unter den verschiedenen Systemen, die unterdessen fallengelassen wurden, kann man Gopher, ein Suchprogramm für Dokumente auf der ganzen Welt und Archie nennen, ein Werkzeug, das es ermöglichte, Dateien mit ihrem Namen auf dem Internet zu suchen.

In der Schweiz demokratisiert die Telecom PTT 1996 die Anwendung des Internets mit ihrem Blue-Window- Dienst, mit dem sie sich auf dem Markt der Internet-Provider stark profiliert. Sie bietet nicht nur günstige Abonnementspreise an, sondern auch die Benützung der Telefonleitung zum Ortstarif. Die Konkurrenz reagiert auf den Dumping-Angriff des Staatsmonopols und bietet ihrerseits Anschlussmöglichkeiten zum Ortstarif in der ganzen Schweiz an, mit einer hohen Qualität des angebotenen Dienstes und einer hohen Anschlussgeschwindigkeit.

Nachdem sie ihrer Kundschaft Zugang zu ihren Dienstleistungen via Videotex gegeben hatten, entwickelten die Grossbanken und die Post ab 1997 EDV-Lösungen, welche es erlauben, via Internet zu den üblichen Bankdienstleistungen Zugang zu erhalten (Kontoabfragen, Zahlungsverkehr [auch in DTA-Form], Abfragen der Börsenkurse und schliesslich online Trading).

Seit 1999 erlebt der breite öffentliche Zugang einen richtigen Boom dank der neuen Telefongesellschaften, welche bei der Liberalisierung des Marktes gegründet wurden und neue Mittel und Wege suchen, um den Markt zu bearbeiten und einen kostenlosen Internet-Basisdienst anbieten. Ihren Gewinn erwirtschaften sie in diesem Bereich mit der Marge auf dem Preis der Telefonverbindungen.

Seit diesem Jahr verfolgt man mit dem WAP-Protokoll die ersten Schritte des Internets auf dem mobilen Netz, bevor die neue Generation von mobilen Telefongeräten das GSM gegen das UMTS umtauschen wird.

 

2. Wie funktioniert das Ganze?

Man muss zuerst wissen, dass die Internet-Technologie die Benutzung verschiedener getrennten Dienstleistungen erlaubt: Elektronische Post (E-Mail oder

E-Post), das World Wide Web (WWW), die Dateiübermittlung (FTP), das Usenet (Nachrichtenforen) und Konferenzen/Videokonferenzen. Auch wenn diese Dienstleistungen manchmal nebeneinander benutzt werden, wenden sie alle ihre eigenen Protokolle an.

Die Beteiligten

Der Provider (Internet Service Provider): Er bietet den Internetanschluss an (Dienstleistungsfirma) und stellt gegen Bezahlung seine Telekommunikations-Infrastrukturen zur Verfügung. Der Internet-Provider ist permanent am Internet angeschlossen.

 

Der Konsument: Besteller von Informationen und/oder Programmen, Kommunikator, ob es sich um einen Privatmann, einen Studenten oder eine Firma handelt. Er ist das Ziel. Es gibt Dutzende von Arten, wie man sich an das Web anschliessen kann.

 

Der Informationsverteiler: Er will vom Konsument gekannt und verstanden werden. Er muss sich an den Provider wenden, um seine Botschaft auszusenden.

Die Internet Society: Sie ist ein Weltorganismus ohne Gewinnabsicht, der aus verschiedenen Komitees besteht, die über die Annahme von Normen, die Verwaltung der Domain-Namen und das reibungslose Funktionieren des Netzes wachen.

Die möglichen Anschlüsse

Am meisten verbreitet ist wohl der vorübergehende Anschluss. Der Benützer ist nicht permanent mit dem Internet verbunden. Der Provider weist ihm bei jedem Anschluss eine vorübergehende Netzadresse zu. Der Computer wird dann bis zum Ende des Anschlusses zu einem Internet-Knoten.

Der permanente Anschluss ist denjenigen grossen Verbrauchern oder Personen vorenthalten, die eine fortlaufende Information abliefern. Der Benützer bleibt permanent mit dem Internet verbunden und kann in gewissen Fällen über eine permanente Netzadresse verfügen.

Handelt es sich um eine neue Art von Kommunikation?

In einer Firma kann Internet in verschiedener Form und auf verschiedenen Stufen angewendet werden. Als erstes revolutioniert es die Art zu kommunizieren.

Wenn man zum Beispiel das E-Mail betrachtet, so stellt man fest, dass sich nach seiner Lancierung in einer Firma die Informationsübermittlung verflüssigt (drastische Verminderung der Mitteilungen auf Papier), dass Informationen besser verbreitet werden (die Person kann ihre Mitteilung auch dann erhalten und ablesen, wenn sie sich nicht im Büro befindet), die Informationen besser verfolgt und die Aufgaben besser delegiert und kontrolliert werden können. Ausserdem ermöglicht das E-Mail-System die Archivierung der Mitteilungen sowie die Möglichkeit, die Daten leichter zu finden. Es ist auch möglich, eine gleiche Information mit einer grösseren Anzahl Personen zu teilen. Man muss aber auch die eventuellen Probleme erörtern, wie zum Beispiel die «junk mails» (unerwünschte und/oder unnötige Post) oder den Hang zu einem gewissen Übermass an Informationen. Das Einbringen von Regeln über die Benützung des Mail-Dienstes in eine Informatik-Charta ist ein Versuch, sich gegen Missbräuche zu schützen. Gewisse Firmen greifen auf Homepages zurück, die nur für ihre Mitglieder bestimmt sind, sogenannte Intranets. Dieses Instrument, vor allem für stark vernetzte Unternehmen gedacht, erlaubt es, die allen Mitgliedern gemeinsamen Informationen nachzuschlagen (Planung, generelle Informationen usw.).

Internet bietet neue Möglichkeiten, um Informationen ausserhalb der Firma zu suchen und erlaubt die Verbindung von immer aktualisierten internen und externen Informationen.

 

Mit der Verbreitung des Internets stellt man Veränderungen im Bereiche der Geschäftsbedingungen fest, und der elektronische Handel erfährt einen regelrechten Boom. Das Internet erlaubt es sogar einer sehr kleinen Firma, mit ihrer Homepage in aller Welt präsent zu sein. Dieses Zusammenrücken bei tiefen Kosten erklärt den Ausdruck des globalen Dorfes. Doch zuerst gilt es, sich beim möglichen Kunden bekannt zu machen! Die grosse Anzahl von verfügbaren Homepages zerstreut die Information. Ausser der «Erziehung» des Surfers, der in der Lage sein sollte, dank den Suchdiensten schneller die gewünschte Information zu finden (Altavista, einer der leistungsfähigsten Suchdienste, kann allerdings nur 8% der bestehenden Homepages scannen – das sind mehrere Milliarden!), kann man auch aktive Mittel erfinden, um sich bekannt zu machen: es gilt zuerst, die URL-Adresse seiner Homepage -publik zu machen (www…), dann kann man die Homepage in Tausenden von Suchdiensten eintragen und sich in stark besuchten Foren nennen lassen, Links austauschen und/oder Werbeflächen auf anderen Webseiten kaufen, das Vorhandensein der Homepage auf Internet auf den herkömmlichen Kommunikationsmitteln erwähnen (Papierpost, Telefonwartemitteilungen, Autos usw.). Die Qualität der Homepage ist wesentlich: das Design und der Inhalt der Seiten, ihre Aktualisierung, die Wahl der Sprachen, die Ladegeschwindigkeit der Seite und die Anschlussgeschwindigkeit an den Server dürfen nicht unterschätzt werden.

 

3. B2B oder B2C?

In den business-to-business-(B2B-)Beziehungen bietet das Internet ganz klare Vorteile gegenüber der herkömmlichen Marktannäherung. Im Vergleich zu einer Dokumentation auf Papier ist die Vorstellung der Produkte auf dem Web weniger teuer und bietet vor allem mehr Flexibilität. Sie kann dem Kunden gemäss individualisiert werden, ist sofort verfügbar und erlaubt es eventuell, die Verfügbarkeit eines Produktes dank einem Link zur Lagerverwaltung anzuzeigen. Der wichtigste Punkt der B2B-Beziehung via Internet ist die Tatsache, dass die Information freiwillig vom Kunden gesucht wird und ihm nicht übergeben wird!

Man stellt auch Veränderungen im Bereiche der Beziehungen business-to-consumer (B2C) fest. Der Konsument erhält mehr Vergleichsmöglichkeiten (zum Beispiel auf dem Telekommunikationsmarkt in der Schweiz). Da die Anzahl der angeschlossenen Privaten explodiert ist, wird der Markt umso interessanter. Die Methode ist modern, die Kombinierung mit dem Zahlungsvorgehen mit Kreditkarte erleichtert diese Art von Handel. Gesicherte Informationstransfers sind möglich (SET Standard oder Verschlüsselung mit SSL 128 Bits). Der Transport der Dienstleistung erfolgt dann entweder direkt durchs Netz oder durch eine Transportdiensleistungsfirma.

Internet ermöglicht es den Firmen, Nischenstrategien mit einer Individualisierung der Angebotsvorstellung zu verfolgen, zum Beispiel durch das Anbieten einer vorübergehenden Aktion an einen möglichen Kunden, der zum x-ten Mal hintereinander ein gewisses Produkt ansehen kommt.

4. Internet für KMUs

Internet vermindert die Vorteile der grossen Firmen. Es handelt sich dabei um ein relativ kostengünstiges Medium, das neue Geschäftsbeziehungen bei nur geringen Nebenkosten ermöglicht. Sicher, die Kosten sollten nicht unterschätzt werden, zum Beispiel bei hohen Design-Anforderungen oder bei der Verknüpfung mit anderen Datenbanken oder anderen Systemen.

Der Hauptvorteil des Internets für eine KMU besteht darin, dass diese ihre Produkte sehr effizient sowohl auf dem örtlichen Markt wie auch auf dem Weltmarkt anbieten kann. Man setzt sich über die starke Beschränkung der Vertriebswege auf dem Weltmarkt hinweg, da man plötzlich ohne in den entsprechenden Ländern eingeführte Partnerfirmen oder Filialen verkaufen kann. Es bleiben jedoch die sprachlichen Schwierigkeiten, die Probleme mit dem Einhalten der lokalen Normen, den juristischen Besonderheiten und der Unterscheidung der Preise in bezug auf die Kundschaft und den Kundenservice.

Die Anwender von Internet erwarten eine schnelle Antwort und eine ebenso schnelle Dienstleistung. Ausserdem verdient die Aktualisierung des Web-Auftrittes eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Es wird zum Beispiel darum gehen, auf seiner Homepage keine sich in Umstrukturierung befindenden Seiten, keine Links mit nicht zur Verfügung stehenden Seiten, keine Angaben über vergangene Events oder Aktionen zu haben. Eine umsichtige Verwendung der Wörter «new» (neu), «soon» (bald) usw., die sehr schnell überholt sind, ist daher sehr wichtig.

Der Aufbau einer Internet-Struktur muss auch zu einem Nachdenken über die zukünftigen Auswirkungen auf die Zwischenhändler führen. Internet erlaubt nämlich einen direkten Kontakt zwischen dem Hersteller und dem Verbraucher. Die Rolle der Zwischenhändler sollte somit zum Zeitpunkt der Lancierung des Konzepts definiert werden.

Die möglichen Anwendungsfelder des Internets für eine KMU können also von verschiedener Art sein. Zuerst bietet das Internet eine erleichterte wechselseitige Information. Es erlaubt ebenfalls, Waren und Dienstleistungen zu erwerben. Schliesslich eröffnet es einen neuen Verkaufskanal (Akquirierung und Bindung).

5. Und in einer Treuhandfirma?

Die ideale Integrierung von Internet in den kleinen und mittleren Treuhandfirmen ermöglicht die Verwendung folgender Werkzeuge und Anwendungen:

Jeder Mitarbeiter kann über eine persönliche Adresse für elektronische Post verfügen, die er sowohl nach innen wie auch nach aussen gebrauchen kann. Nach innen ersetzt der Gebrauch der E-Post die unzähligen kleinen Papiere. Die Kombinierung und die Komplementarität mit den elektronischen Organisatoren des Typs Palm Pilot, Visor, Psion oder Casio sind heute Tatsache und so praktisch ! Nach aussen ermöglicht das

E-Mail Kontakte und Datenaustausch mit ebenfalls angeschlossenen Kunden, mit Informations- und Materiallieferanten, Abonnemente für regelmässige Informationen usw.

Die Verwendung eines Browsers ermöglicht es einer Firma, schnell an Informationen auf externen Homepages zu gelangen. Die Anwendungen sind verschiedenartig und zahlreich: Börse, Telebanking, Immobilien, Handelsregister, Jurisprudenz und andere juristische Informationen, Zugang zu verschiedenen Anwendungen (man kann zum Beispiel durch zweimaliges Klicken das Programm zum Ausfüllen der 25er-Formulare herunterladen), Ablesen der E-Mails aus der Entfernung, Nachschlagen von internen Informationen, ungeachtet, wo man sich gerade auf der Welt befindet. Man kann es sich auch vorstellen, dass die Firma ein Intranet entwickelt. Dabei handelt es sich um eine richtige Homepage, die aber nur von Mitarbeitern im Innern der Firma und nur mit einem Passwort aus der übrigen Welt eingesehen werden kann. Darauf kann man zum Beispiel tägliche Informationen auf der ersten Seite editieren, eine online-Planifikation erhalten oder die Beschreibung der gängigsten Verfahren erscheinen lassen usw.

6. Vorteile und Nachteile messen

Da jetzt mit Gewissheit feststeht, dass die Zukunft eines Unternehmens mit der Anwendung des Internets verknüpft ist, so muss gesagt werden, dass trotzdem zahlreiche Integrationsstufen bestehen, die Gegenstand einer Definition der Bedürfnisse sein sollten, wenn nötig mit der Hilfe eines Spezialisten, insbesondere um die Kosten der Anlagen und des Betriebs zu ermitteln. Obwohl feststeht, dass Internet viel Zeit sparen hilft, kann es auch zu einem Verlust von Mitteln führen (Surfing, schlechte Kenntnis der Werkzeuge). Es gilt insbesondere, die missbräuchliche Anwendung der Werkzeuge zu überwachen und gegebenenfalls deren Zugänglichkeit einzuschränken. Auch das Sicherheitsproblem darf nicht vernachlässigt werden, vor allem in Bezug auf die Vertraulichkeit und die Virus-Problematik.

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*André Liechti, dipl. ing. ETH /HTS in Kommunikationssystemen und Fabien Paratte, Betriebsökonom HVW, führen die Firma SysCo Systèmes de Communication SA, ein Unternehmen des KL Groupe Holding SA, 2606 Corgémont.

Für jede zusätzliche Information : info@sysco.ch